Beachtennis-Nostalgie

WALTROP – Flashback: Den folgenden Artikel veröffentlichte TWEENER.de (damals noch Tennisredaktion.de) im Jahre 2004 zum Thema »Beachtennis«. Diese Trendsportart wurde damals noch bundesweite mit Tennisschlägern gespielt und erfreute sich landauf, landab wachsender Beliebtheit. Viele Events, wie die Deutschen Meisterschaften oder auch die Teamevents wurden zu Kultveranstaltungen. Drei Personen dominierten die Trendsportart »Beachtennis« in Deutschland über Jahre hinweg: Maren Scholz, Timo Jogwer und Jan Nottenkämper aus dem westfälischen Castrop-Rauxel. Für die Tennisredaktion damals ein Anlass, die drei einstigen »Sandhelden« zu einem Drier-Interview zu bitten. Den Kultstatus von einst hat das heutige Beachtennis längst verloren. Spätestens der Wechsel von den Tennisschlägern auf die »Paddles« sorgte für einen Cut.

Sonne, Strand, Party und gute Laune!

Gerne im Sand zu spielen gehört zu den ureigensten Eigenschaften des Menschen. War es im Kindesalter der Sandkasten, in dem man sich wohl fühlte und seinen Spieltrieben freien Lauf ließ, so sind dies heute die Strände und Sandbänke dieser Welt. Sommer, Sand, Strand und gute Laune, das ist es, was jedermann schlichtweg begeistert. »Beachfeeling« halt. In diesem Zuge werden die Beach-Sportarten auch hierzulande immer populärer. Beachvolleyball – unterdessen ein offizieller olympischer Wettbewerb – hat sich längst zu einer der beliebtesten Freizeitsportarten entwickelt und auch Beachtennis ist stark im Kommen.

Dass dem so ist, davon konnte sich jeder bei den diesjährigen Deutschen Beachtennis-Meisterschaften im westfälischen Paderborn überzeugen. Dort nämlich trafen sich die Besten der Zunft, um die nationalen Champions zu ermitteln. Die qualitative Leistungsdichte war hierbei ebenso erwähnenswert wie die quantitative Beteiligung an den einzelnen Wettbewerben im Damen- und Herren-Doppel sowie im Mixed, vom eingangs erwähnten Strand- und Partyfeeling mal ganz zu schweigen. Die Tennisredaktion sprach jüngst mit drei Beachtennis-Cracks, die der nationalen Szene in den vergangenen drei Jahren ihre Stempel aufdrückten.

Insgesamt fünf deutsche Meistertitel, mehrere Verbandsmeisterschaften sowie eine Platzierung auf dem Podium bei den Mannschafts-Weltmeisterschaften im italienischen Ravenna gingen in dieser Zeit auf das Konto dieses Trios. Fragen wir also drei wahre Beachtennis-Profis, was den Reiz dieser begeisternden Abwandlung des klassischen Tennissports ausmacht und wie die nahe Zukunft des Beachtennis aussehen wird…


Ad Personam: Maren Scholz: Jahrgang `74, im westfälischen Herne geboren, wohnhaft in München, von Beruf Diplom-Ingenieurin und Architektin, spielt beim TC Grün-Weiß Frohlinde in der Bezirksliga +++ Ad Personam: Timo Jogwer: Jahrgang `75, im westfälischen Wanne-Eickel geboren, dort auch wohnhaft, zurzeit Referendar auf Lehramt (Sport und Sozialwissenschaften), spielt beim Ruderverein Rauxel in der Westfalenliga +++ Ad Personam: Jan Nottenkämper: Jahrgang `81, im westfälischen Herne geboren, dort auch wohnhaft, zurzeit Student an der Uni Bochum (Medizin), spielt beim Ruderverein Rauxel in der Westfalenliga.


Tennisredaktion: Hallo Maren, Timo und Jan! Geballte Beachtennis-Kompetenz zu Gast in der Tennisredaktion! Ihr Drei habt die Beachtennis-Szene in den letzten Jahren entscheidend mitgeprägt. Erzählt doch mal, wie alles begann… Timo Jogwer: Alles begann damit, dass Jan und ich 2002 in unserem Tennis-Club in Rauxel eine Ausschreibung auf dem Tisch liegen sahen. Eine Ausschreibung für die Westfälischen Beachtennis-Meisterschaften, die in Hagen stattfinden sollten. Aus dieser Ausschreibung ging hervor, dass sich die Westfälischen Meister für die »Deutschen« in Bad Saulgau qualifizieren würden. Und genau das war fortan unser Ziel! Wir sagten unseren geplanten Kuba-Urlaub ab und starteten stattdessen die Mission »Bad Saulgau«…

Tennisredaktion: Ihr seid also von Beginn an davon überzeugt gewesen, dass Beachtennis Eure Leidenschaft werden würde? Jan Nottenkämper: Das kann man so sagen. Wir wussten gleich: »Das ist unser Sport«. Und es kam ja auch so, wie wir es uns erhofft hatten: Jan und ich blieben bis zu den Westfälischen Meisterschaften 2004 in Herne national ungeschlagen… +++ Timo Jogwer: Von Beginn an war ja auch meine Mixedpartnerin Maren mit an Bord. Ich kenne Maren schon aus dem Sandkasten, schon damals haben wir exzellent miteinander harmoniert. Maren ist noch eine der wenigen echten »Straßenvolleyspielerinnen«. Davon gibt es nicht viele. Also nahmen wir sie mit ins Boot.

Tennisredaktion: Maren, Du und Timo, Ihr seid im Mixed national nach wie vor ungeschlagen? Maren Scholz: Das ist richtig. Wobei anzumerken ist, dass die Konkurrenz immer größer und die Leistungsdichte immer enger wird. Wir haben das ja bei den diesjährigen »Deutschen« in Paderborn gesehen, wie eng spielerisch alle zusammen gerückt sind. Im Finale mussten Timo und ich einige Matchbälle abwehren, um den Titel erfolgreich zu verteidigen. Das Leistungsniveau im Beachtennis steigt von Jahr zu Jahr…

Tennisredaktion: Was war denn das bislang schönste Beachtennis-Erlebnis für Euch? Timo Jogwer: Ganz klar: die Mannschafts-Weltmeisterschaft im italienischen Ravenna! Dort vertraten wir Deutschland, da ging es mächtig ab! Wir bekamen das volle Programm: Flagge, Nationalhymne, Fernsehen. Das war schon ein Erlebnis, an das man sich gern erinnert…

Tennisredaktion: Beachtennis ist bei uns in Deutschland zweifellos stark im Kommen. Was macht Eurer Meinung nach die Faszination dieser Trendsportart aus? Jan Nottenkämper: Sicherlich ist es die perfekte Mischung aus Fun und Wettlkampf. Dadurch, dass Beachtennis nicht so verspießt praktiziert wird, wie das klassische Tennis, herrscht eine lockere und angenehme Atmosphäre. Gleichwohl wird herbe um jeden einzelnen Punkt gefightet. Der »echte« Beachtennis-Freund vergisst aber auch das Abklatschen mit den Kontrahenten beim Seitenwechsel nicht. So etwas wäre beispielsweise beim »normalen« Tennis undenkbar. +++ Timo Jogwer: Schon als Kind spielte man doch gerne im Sand. Den Spaß hieran wirst du spätestens dann wieder entdecken, wenn du das erste Mal »gebeacht« hast. Die Symbiose aus Technik und  Akrobatik  ist schon genial… +++ Maren Scholz: Das stimmt. In einem richtig umkämpften Match zweier ebenbürtiger Paare kommt der berühmte »Becker-Hecht« recht oft vor. Den Punkt auf diese Art und Weise zu erzielen, ist schon etwas Besonderes. Was mir als weiblicher Part besonders gefällt, ist die Tatsache, dass die Dame im Mixed perfekt in das Spiel mit einbezogen wird. Das ist sehr angenehm. Im klassischen Tennis wird die weibliche Spielerin ja doch recht häufig isoliert und ist auch dem kraftvollen Spiel der Männer nicht selten schutzlos ausgeliefert. Nicht so beim »beachen«…. +++ Timo Jogwer: Also für Jan und mich gesprochen ist natürlich der Touch unheimlich wichtig. Auch beim Tennis spielen wir beide mit enorm viel Ballgefühl. Das berühmte »Händchen« ist sicherlich eines unserer Erfolgsgeheimnisse.

Tennisredaktion: Welche Zukunftsperspektive hat Beachtennis bei uns in Deutschland? Wie wird sich diese Trendsportart weiter entwickeln? Maren Scholz: Ich weiß, dass alle, die Beachtennis jemals ausprobiert haben, schlichtweg begeistert waren. Ich habe noch Niemanden sagen hören „Nee, lass mal, das ist nichts für mich…“ Die Akzeptanz bei denen, die sich im Sand einmal versucht haben, könnte also höher nicht sein. Gleichwohl kann man die Entwicklung nicht gerade als >rasant< bezeichnen, da die professionelle Vermarktung einfach fehlt. +++ Timo Jogwer: Genauso sehe ich das auch! Wir haben in Deutschland zwar einige sehr engagierte Leute, wie beispielsweise den Breitensportwart im Westfälischen Tennis-Verband, Ernst Sasse, doch es mangelt an Leuten, die sich ausschließlich mit der »Materie Beachtennis« auseinandersetzen und den Sport auch am Markt etablieren wollen. Das Engagement eines Ernst Sasse oder vielen anderen in allen Ehren, aber das alleine wird nicht ausreichen, um Beachtennis entscheidend voranzutreiben.

Tennisredaktion: Da schreit ja jemand förmlich nach einem offiziellen Beachtennis-Referenten… Timo Jogwer: Das wäre natürlich ideal. Aber wohl kaum zu realisieren. Ein Beachtennis-Referent, der sich ausschließlich um dieses Ressort kümmert und zugleich nah an der Szene ist, könnte uns da aber ganz sicher entscheidend weiter helfen. +++ Jan Nottenkämper: Noch ein wichtiger Punkt: wie im deutschen Tennis auch, fehlt es uns natürlich auch beim Beachtennis an prominenten und attraktiven Zugpferden. Im Prinzip steckt Beachtennis ja noch in den Kinderschuhen. Die Zeit wird aber sicher auch das mit sich bringen…

Tennisredaktion: Ist Beachtennis eine Konkurrenz zum Vereinstennis? Maren Scholz: Nein! Also ich glaube für alle sprechen zu können, dass Beachtennis sicher keine Konkurrenz oder gar Alternative zum Vereinstennis ist. Ich sehe Beachtennis eher als Ergänzung. Clubs, die heuer einen Beachtennisplatz aufweisen können, haben ein weiteres schlagkräftiges Argument, neue Mitglieder zu werben.

Tennisredaktion: Was kann sich auf den Beachtennis-Veranstaltungen selber tun, um weiter voran zu kommen? Timo Jogwer: Meiner Meinung nach ist die Kopplung mit anderen Veranstaltungen zurzeit Voraussetzung, damit ein Beachtennis-Event zum totalen Erfolg wird. In Bad Saulgau und vor allem in Esslingen bei den Deutschen Meisterschaften wurde mit dem Marktplatz der Austragungsort sicherlich vorbildlich gewählt. Auf dem Marktplatz ist Beachtennis auf jeden Fall am besten aufgehoben. Dort hast du Publikum, dort hast du schon von Natur aus Atmosphäre. Im Zentrum der Öffentlichkeit können wir Beachtennis populär machen – nicht dort, wo wir mehr oder weniger ungestört sind. +++ Jan Nottenkämper: Und natürlich wollen wir die Medien nicht vergessen. Die mediale Unterstützung ist, wie in allen anderen Bereichen auch, enorm wichtig, um etwas zu puschen. Foren, wie beispielsweise das Beachtennis-Special auf dem Internetportal »Tennisredaktion.de« tragen immens zur Erhöhung der notwendigen Popularität bei.

Tennisredaktion: Denkt man in der Szene über eine eigene Liga oder einen Turnier-Circuit nach? Timo Jogwer: Natürlich haben wir auch hierüber bereits im Kreis der Aktiven schon mal diskutiert. Jedoch erweist es sich als sehr schwierig, eine offizielle Liga zu installieren. Wenn überhaupt könnte dies aus terminlichen Gründen nur im Winter realisiert werden. Im Sommer haben die Meden- und Poensgenspiele absolute Priorität, in den Ferien kriegst du die Leute auch nicht zusammen. Einer Liga sehe ich also schon alleine aus den eben genannten Gründen eher skeptisch entgegen. +++ Maren Scholz: Was einen Turnier-Circuit angeht, so weiß ich nicht,  ob du fünf oder sechs Wochen am Stück die Beachtennis-Elite zusammentrommeln kannst, um eine Turnierserie zu spielen. Ich bezweifle auch, dass alle dem Event dann noch in dem Maße entgegen fiebern, wie es heuer der Fall ist. Bei aller Begeisterung für das »Beachen« – ich für meinen Teil möchte die Aktivitäten nicht überstrapazieren. Ein Beachtennis-Turnier muss etwas Besonderes sein, ein Highlight, auf das man sich schon lange im Voraus freuen kann.


Und so lautete das Fazit 2004: Keine Frage: Beachtennis erfreut sich auch hierzulande immer größerer Beliebtheit. Die Landesmeisterschaften  in den einzelnen Verbänden des Deutschen Tennis-Bundes schreiben steigende Teilnehmerzahlen, das Leistungsniveau wird kontinuierlich angehoben. Medial erweckt diese abgewandelte Form des Tennis Jahr für Jahr ein größeres Interesse, die Nachfrage steigt. Wer bislang noch nicht »gebeacht« hat, sollte dies bei nächster Gelegenheit schleunigst tun, der Faktor »Fun« ist enorm hoch. Heute wissen wir: Beachtennis, wie man es hierzulande kennen und lieben gelernt hat, ist längst Geschichte. Aber eine, an die man gern zurückdenkt. Wunderbare Erinnerungen…

Über Christoph Kellermann 1297 Artikel

Christoph Kellermann kennt den Tennissport aus dem Eff-Eff. Seit 1980 ist er am Ball. Zunächst als Spieler, dann als Coach. Seit vielen Jahren ist er als Mitglied des Verbandes Deutscher Sportjournalisten redaktionell aktiv. 1990 gründete er den heutigen »TWNR«, ehemals »Tennisredaktion.de«…