Jens Gerlach im DTB-Interview

STUTTGART – (DTB-Presseaussendung) Jens Gerlach ist seit diesem Jahr der Chef auf der deutschen Bank. Im Februar feierte er mit dem Erfolg über Weißrussland einen gelungenen Einstand. Wir sprachen mit dem Stuttgarter über seine Highlights der Woche in Minsk und seine Erwartungen an das Halbfinale gegen Tschechien in Stuttgart (Foto: Hasenkopf).

Seine erste Eröffnungsfeier – „Beim Einlauf mit den Spielerinnen in Minsk und als dann die Nationalhymne gespielt wurde, ist mir die Bedeutung noch einmal richtig bewusst geworden. Den Wimpel, den ich von meinem weißrussischen Kollegen erhielt, werde ich in Ehren halten. Besonders, da ich ihn am Samstagabend erst einmal wie verrückt suchen musste – unser Physiotherapeut hatte ihn aber zum Glück für mich verwahrt.“

Das Gefühl auf der Bank – „Auf so eine Situation kann man sich nicht zu hundert Prozent vorbereiten, das steht so in keinem Lehrbuch. Ich versuche, immer authentisch zu sein und so habe ich es auch bei den Matches gehalten. Deshalb bin ich auch emotional voll mitgegangen und oft aufgesprungen. Die Chemie mit den Mädels hat einfach gepasst.“

Der Zusammenhalt des Teams – „Wir haben uns als Mannschaft sehr gut zusammengefunden. Als neues Gesicht war ich in der Position, zu allen einen Zugang finden und Vertrauen aufbauen zu müssen. Das ist mir, glaube ich, ganz gut gelungen. Ich hatte am Ende der Woche das Gefühl, dass ich mit allen schon länger zusammenarbeite. Das gilt für die Spielerinnen genauso wie für das Betreuerteam.“

Das Arbeiten mit Barbara Rittner – „Wir hatten einen guten Austausch. Barbara hat ihre große Erfahrung eingebracht, das war ein wertvoller Input. Auch während der Matches haben wir uns bei so manchem Seitenwechsel besprochen und waren uns immer einig. Minsk war für unsere Zusammenarbeit ein gelungener Start und hat mir viel Spaß gemacht.“

Die Rückkehr von Kerber & Görges – „Ich habe stets gesagt, dass ich als Fed Cup-Kapitän natürlich immer gerne aus dem Vollen schöpfen möchte. Insofern freut es mich sehr, dass beide sich für diese Partie zur Verfügung gestellt haben. Angie und Jule sind für jede Mannschaft der Welt eine große Verstärkung und daher für uns immens wichtig.“

Sein erstes Heimspiel als Kapitän – „Natürlich wird die Aufmerksamkeit in Stuttgart größer sein als beim Auswärtsspiel in Minsk – das ist normal und auch schön so. Auf die Spielerinnen und auf mich wird folglich mehr einprasseln, alleine schon medial. Das ändert aber grundsätzlich nichts an meiner Herangehensweise. Unser Fokus wird darauf liegen, dass die Mädels am Wochenende topfit sind und ihre optimale Leistung abrufen können.“

Das Stuttgarter Publikum – „Durch den Porsche Tennis Grand Prix kenne ich die Porsche-Arena gut, war aber noch nie live beim Fed Cup dabei. Ich habe aber natürlich schon von der tollen Länderspiel-Atmosphäre gehört und freue mich auf das Halbfinale in meiner Geburtsstadt. Die Unterstützung durch die Zuschauer wird für uns hoffentlich zum entscheidenden Vorteil. Wir wollen die Menschen mitnehmen und begeistern, dann wird sicher eine super Stimmung entstehen.“

Seine Prognose für das Halbfinale – „Ich habe mir die Tschechinnen in Miami noch mal ganz genau angeschaut und bin sicher: Die Partie wird ein Schlagabtausch auf Augenhöhe. Die Mannschaft von Petr Pala hat seit 2011 fünf Mal den Titel gewonnen und ist mit Sicherheit einer der härtesten Gegner, auf den man zurzeit in diesem Wettbewerb treffen kann. Dennoch bin ich überzeugt, dass wir die Qualität haben, um diese Partie zu gewinnen!“

Die Bedeutung des Doppels – „In Minsk hat man gesehen, dass das Doppel zum Zünglein an der Waage werden kann. Dementsprechend wird es in der Vorbereitung mit Sicherheit das eine oder andere Doppeltraining geben. Wer dann am Sonntag letztendlich spielt, hängt von vielen Faktoren ab.“

Über Christoph Kellermann 1603 Artikel
Christoph Kellermann kennt den Tennissport aus dem Eff-Eff. Seit 1980 ist er am Ball. Zunächst als Spieler, dann als Coach. Seit vielen Jahren ist er als Mitglied des Verbandes Deutscher Sportjournalisten redaktionell aktiv. 1990 gründete er den heutigen »TWNR«, ehemals »Tennisredaktion.de«...