Portrait: Jan Choinski

HAMBURG – (DTB-Presseaussendung) Jan Choinski (Fotos: TWEENER.de) stammt aus einer Tänzer-Familie. Ballett war in seiner Jugend viele Jahre lang auch seine Leidenschaft. Davon profitiert er heute auf dem Court. Der 21-Jährige gewann in dieser Saison die Wertung der German Masters Series und verbesserte sich in der Weltrangliste um mehr als 300 Plätze. 2018 soll der nächste Schritt folgen.

Man sollte bei Jan Choinski unbedingt einmal auf die Beinarbeit achten. Als ehemaliger Balletttänzer bewegt sich der 1,96-Meter-Hüne für seine Größe nämlich auffallend leichtfüßig. Der 21-Jährige stammt aus einer Tänzer-Familie. Vater Andrzej war erster Solotänzer im Koblenzer Stadttheater, Mutter Dominique eine Primaballerina. Keine Überraschung also, dass Jan viele Jahre lang seinen Eltern nacheiferte. Bis er zwölf Jahre alt war, war das Ballett neben dem Tennis seine große Leidenschaft. Inzwischen ist Choinski längst auf Sand-, Hart- oder Rasenplätzen zuhause, nicht mehr auf Parkett. Hinter ihm liegt eine erfolgreiche Saison – mit einer Krönung am Ende: Sieger der German Masters Series presented by Tretorn. Bei drei Events in Folge auf der nationalen Turnierserie gewann der Rechtshänder 2017 die Titel – in Essen, Wetzlar und Karlsruhe. Bei fünf weiteren Veranstaltungen schaffte er es immerhin bis ins Viertel- oder Halbfinale. Dank eines zusätzlichen Future-Einzeltitels in Schweden sowie zahlreicher Turnierteilnahmen auf Challenger-Niveau, katapultierte sich der Nachwuchsspieler aus Münstermailfeld in diesem Jahr von Platz 607 auf Platz 291 (Stand Anfang November). Sein Triumph im Race der German Masters Series – mit 91 Punkten liegt Choinski 41 Zähler vor dem Zweitplatzierten Daniel Masur – ist für den gebürtigen Koblenzer die Bestätigung seines Aufwärtstrends.

Zum Tennis kam Jan bereits, als er gerade laufen konnte. Nachdem seine Eltern ihre Tänzerkarrieren beendet hatten, eröffneten sie eine Tanzschule. Vater Andrzej entdeckte in dieser Zeit seine neue Leidenschaft – Filzball und Schläger. Mit seinem Sohn verbrachte er fortan viel Zeit auf dem Court. Jan war zwei Jahre alt, als er zum ersten Mal ein Racket in der Hand hielt. „Für mich gab es von diesem Moment an nur noch Tennis“ erinnert er sich. Der Beginn des Traums von einer Profikarriere.

Wenn Choinski zuhause ist, verbringt er in der Regel zweimal täglich rund zwei Stunden auf dem Platz, nachmittags steht noch eine Stunde Fitnesstraining auf dem Programm. An seine Einheiten auf dem Court und den Turnierreisen in die verschiedensten Länder dieser Welt lässt er, wie fast alle Profis, seine Freunde und Fans regelmäßig auf der Social Media-Plattform Instagram teilhaben. Mehr als 9.000 Fans folgen ihm dort und bejubeln seine Fotos, auf denen er beispielsweise im Spagat – klar beherrscht er den! – über der Golden Gate Bridge schwebt. Wenn der 21-Jährige nicht an Hotspots posiert oder Bälle schlägt, dann mag er es gern ruhig. Seine Freizeit verbringt er mit seiner Freundin, spielt Schach oder liest Bücher.

Seit er die Schule in Kobern-Gondorf 2013 mit einem Realschulabschluss verlassen hat, bleibt ihm für Hobbys zumindest ein wenig mehr Zeit. Zunächst hatte der junge Sportler die elfte Klasse noch bei einer Fernschule begonnen, sich dann aber doch gegen das Büffeln und für seine Leidenschaft Tennis entschieden.

Auf den Rückhalt seiner Familie kann er sich dabei stets verlassen: „Ich habe es der Unterstützung meiner Eltern zu verdanken, dass ich heute da stehe, wo ich bin“, sagt Choinski. Vater Andrzej fungiert seit Tag eins als Coach seines Sohnes. Das Verhältnis ist eng. Trainingspläne und -zeiten werden nach Jans Wünschen ausgerichtet und durchgetaktet. „Mein Vater richtet sich komplett nach mir. Er ist immer bereit, mit mir auf den Court zu gehen, ist stets mit ganzem Herzen bei der Sache“, erzählt Choinski. Er kann sich keinen besseren Coach vorstellen. Zu Turnieren innerhalb Europas reisen beide gemeinsam mit dem familieneigenen VW-Bus. Tritt der Sohnemann in der Umgebung an, fiebern auch Mutter Dominique und die Schwestern Magda (37) und Samantha (18) auf der Tribüne mit.

Einer, der für Choinski als Ansporn fungiert, ist Alexander Zverev. Gegen den deutschen Spitzenspieler trat er schon häufig bei den Junioren an. Vier von fünf Matches gewann Choinski. Doch während Zverev der Sprung auf die große Tour bereits gelungen ist, steht Choinski derzeit noch auf Weltranglistenplatz 291. Im nächsten Jahr will er sich auf den Challenger-Turnieren weiter etablieren, bei den Grand Slams mindestens die Qualifikationen erreichen und sich weiter in Richtung Top 100 verbessern – das große Ziel: irgendwann zu den Besten gehören! „Ich glaube mit kontinuierlicher Arbeit ist alles machbar. Man braucht natürlich eine gute Betreuung und den richtigen Kopf, um sich dauerhaft durchsetzen zu können“, sagt Choinski. Er ergänzt: „Sobald man Challenger-Turniere spielt, ist nach oben alles offen. Man muss nur hart genug trainieren, Willen und Durchsetzungsvermögen mitbringen.“ Um eine wichtige Eigenschaft zumindest muss er sich keine Gedanken machen: die Beweglichkeit für eine flinke Beinarbeit.

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Christoph Kellermann kennt den Tennissport aus dem Eff-Eff. Seit 1980 ist er am Ball. Zunächst als Spieler, dann als Coach. Seit vielen Jahren ist er als Mitglied des Verbandes Deutscher Sportjournalisten redaktionell aktiv. 1990 gründete er den heutigen »TWNR«, ehemals »Tennisredaktion.de«…