Raffel im Interview

NEUSS – (Presseaussendung) Marc Raffel, Veranstalter der »YONEX junior tour« äußert sich detailliert über das Leistungsniveau ambitionierter Nachwuchsspieler, die ständigen Regelanpassungen und die Turnierlandschaft in Deutschland.

Marc, Du veranstaltest jetzt bereits seit etlichen Jahren Turnierserien im Jugend-Tennissport. Was war Dein ursprünglicher Antrieb? Marc Raffel: Angefangen hat alles mit dem traditionsreichen Jugendturnier über Pfingsten bei Rot-Weiß Köln vor über 15 Jahren. Der Erfolg und der Spaß an dieser Veranstaltung motivierte mich schnell weitere Jugend- bzw. Nachwuchsturniere zu veranstalten. Schließlich ergab sich eine ganze Serie.

Und wie entstanden dann immer mehr Turniere? Durch gute Kontakte zu meinen Kollegen. Randolf Fischer (Turnier in Rheinbach) kenne ich noch aus meiner aktiven Zeit, ebenso Stefan Reddemann (Turnier in Bonn) oder Stephan Frings (Turniere in Köln und Eitorf). In letzter Zeit intensivieren wir auch die Zusammenarbeit mit Jobst Krüger und Peter Michel aus Overath bzw. Niederpleis. Im Niederrhein profitiere ich von einer guten Zusammenarbeit mit Nies Lampe aus Schiefbahn und den Tennishallen in Meerbusch und Kaarst.

Was hat sich in den letzten Jahren in der Jugendturnierlandschaft alles verändert? Eine ganze Menge (lacht). Zu aller erst fällt auf, dass es ein immer weniger gutes Turnierangebot für ambitionierte DTB-Ranglistenspieler gibt. Das hat natürlich viele Gründe, u.a. das um sich greifende LK-System, das für mich leistungspädagogisch eher wertlos ist, jedoch viele Spieler an den Tennissport bindet. Auch das allgemeine Leistungsniveau der jungen Spieler hat eher nachgelassen. Es ist spürbar, dass Vereine weniger in ihre Trainingsarbeit investieren und Kinder z.B. durch das G8-Schulsystem niedrigere Trainingsumfänge in Kauf nehmen müssen. Das schlägt nun brutal durch auf das Spiel- und Leistungsniveau. Schließlich ist ein besonderer Rückgang im Mädchenbereich zu registrieren. Immer weniger junge Spielerinnen stellen sich der Herausforderung Leistungstennis. Leider.

Gibt es denn auch positive Entwicklungen? Ja klar. Wir sehen, dass sich viele Talente mit unseren Turnierserien nach oben gespielt haben, z.B. die Deutschen Jugendmeister Mina Hodzic (TC Bredeney)  oder Henri Squire (TC Kaiserswerth) waren vor kurzem noch Stammgäste bei der »YONEX junior tour«. Auch Sven Thiergard (Rochusclub Düsseldorf), Daniel Milardovic (Rot-Weiß Köln) oder Julia Rennert (Moers 08) waren und sind regelmäßig auf unseren Turnieren. Auch Spieler von weiter her, sogar aus dem Ausland, haben der »YONEX junior tour« immer wieder ihren Stempel aufgedrückt. Kürzlich wurde übrigens mit Tim Seibert (TC Brauweiler) ein jahrelanger Teilnehmer unserer Serie Herren Verbandsmeister im Tennisverband Mittelrhein. Das macht natürlich Spaß. so etwas zu verfolgen.

Gibt es Vereine, die besonders viele Sieger auf der »YONEX junior tour« stellen? Ja, die gibt es. Jedoch hat die Konzentration auf wenige Vereine in der letzten Zeit abgenommen. Auf den Sieger- u. Platziertenlisten tauchen natürlich immer wieder Vereine auf wie Blau-Weiß Krefeld, Rochusclub Düsseldorf, TC Bredeney, Moers 08 oder TC Kaiserswerth, Rot-Weiß Köln oder Grün-Weiß Aachen. Unter anderem hier scheint es noch eine ambitionierte Jugendarbeit zu geben, das freut mich sehr.

Wie erklärst Du Dir, dass auch immer mehr Spieler aus kleineren Vereinen auf den Treppchen stehen. Die jungen Tennistalente werden zunehmend in Tennis-Akademien trainiert denn guter Tennisnachwuchs ist auf zusätzliches Training angewiesen. Es gibt hierzu nicht nur im Tennisverband Niederrhein ja etliche Angebote. In der weiteren Umgebung fallen mit da die »PMTR« in Mülheim ein, »Spencer & Spencer« in Düsseldorf, die Akademie von Tomas Berend oder unsere »YONEX tennis base« mit den Standorten u.a. in Meerbusch und Köln ein. Aus diesen Trainingsgruppen sind immer wieder viele Sieger auf unserer Tour zu beobachten. Daneben gibt es natürlich viele Privatinitiativen, die zu Erfolg führen und natürlich das Verbandstraining.

Ein großes Problem für viele Veranstalter ist die Finanzierung von Jugend- und Nachwuchs Tennisturnieren. Wie beurteilst Du die Lage? Das ist richtig. Eine rentable Durchführung ist eigentlich nur noch mit Sponsoren möglich. Glücklicherweise können wie hierzu auf ein großes, aktives Netzwerk zurückgreifen, das uns die Austragung dieser Veranstaltungen ermöglicht.

Welche Partner sind das? Wie es im Namen schon drin steht. YONEX ist Namensgeber der Serie, dafür bin ich sehr dankbar. Dazu kommen Papillon Sportswear, Pokal-Total und Kirschbaum Tennissaiten. Besonders stolz bin ich, dass wir kürzlich für das kommende Jahr ein Finanzinstitut motivieren konnten, als Partner mit an Bord zu kommen. Eine entsprechende Pressemitteilung folgt in Kürze. Für die weitere Zukunft bin ich sehr zuversichtlich.

Bleibt abschließend die Frage nach der Kooperation mit den Verbänden. Was läuft gut, was könnte man verbessern? Die Vielzahl an Regeländerunge und Anpassungen in den letzten Monaten und Jahren hat viel Energie gekostet und mitunter für große Verwirrung aller Beteiligten gesorgt, zumal die Paragraphen mehrmals im Jahr geändert wurden. Die Nenngelderhöhung durch die Verbände bzw. den DTB sehe ich nach wie vor kritisch, ebenso ist die permanente Erhöhung der Turnierstandards wie z.B. die Gestellung eines DTB-Oberschiedsrichters. Dies ist ein kontraproduktiver Kostentreiber und damit nicht förderlich für eine gesunde Turnierkultur.  Warum aktuell Turnierteilnehmer wieder mehrere Veranstaltungen gleichzeitig spielen können, erschließt sich mir ebenso nicht. Diese erneute Regeländerung sorgt überall für Unmut. Positiv ist die Reform beim Ranglistensystem hin zum TRP. Es werden nun gewonnene Runden und Turniere bewertet und nicht nur einzelne Siege gegen Kontrahenten. Insgesamt ist die Zusammenarbeit mit den Verbänden besser geworden. Ich wünsche mir jedoch mehr Kommunikationsportale, wie zum Beispiel die Turnierveranstalter-Besprechung im Tennisverband Mittelrhein, mit der ein konstruktiver Austausch zwischen Verbänden, Funktionären, Veranstaltern und Spielern erfolgen kann. Da gibt es noch Luft nach oben.

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Christoph Kellermann kennt den Tennissport aus dem Eff-Eff. Seit 1980 ist er am Ball. Zunächst als Spieler, dann als Coach. Seit vielen Jahren ist er als Mitglied des Verbandes Deutscher Sportjournalisten redaktionell aktiv. 1990 gründete er den heutigen »TWNR«, ehemals »Tennisredaktion.de«…