Sarah Gronert, die Allrounderin

INTERVIEW – Sie ist ohne jeden Zweifel noch immer eine der schillerndsten Spielerinnen im nationalen Damentennis: Sarah Gronert. Die gebürtige Linnicherin war im Jahre 2008 erstmals auf der ITF-Tour vertreten und konnte insgesamt nicht weniger als neun Einzel- und einen Doppeltitel erringen. In den Endspielen – vier davon in heimischen Gefilden und vier in England sowie ein Finalsieg in Israel –  triumphierte sie unter anderem über Topspielerinnen wie Zuzana Kucova, Anna Zaja und Annika Beck. In der Weltrangliste katapultierte sich die heute 31-Jährige Rechthänderin im Jahre 2012 bis auf Platz 164. Christoph Kellermann von TWEENER.de traf Sarah Gronert (Fotos: Hasenkopf, Sarah Gronert, Jill Lindhorst, Tim Franken) und sprach mit der allseits beliebten »Social-Media-Freundin«, die sich in den Netzwerken einer große Followerzahl erfreut.

TWEENER.de: Hey Sarah! Mit Rang 164 hattest Du von knapp sechs Jahren Dein höchstes WTA-Ranking. Heute nimmt man Dich eher auf nationaler Ebene wahr. Auch wenn Du international nicht mehr so oft aufschlägst, bist Du dem Tennissport offensichtlich noch immer eng verbunden. Sarah Gronert: Die erste große Liebe vergisst man nicht. Tennis war und ist für mich ein Kernpunkt in meinem Leben. Daran hat sich in den ganzen Jahren nichts geändert und ich glaube auch nicht, dass es das jemals wird.

Was macht Sarah Gronert gerade? Oft packe ich mir an den Kopf und denke, ich kann nicht auf allen Hochzeiten tanzen. Denn ich bin als DTB-Nummer 23 aktuell Profi-Spielerin auf nationaler Ebene, spiele für diverse Mannschaften in Deutschland, Holland, Luxemburg und ab diesem Jahr auch in der Schweiz, außerdem bin ich als angehende A-Trainerin Tenniscoach im Bereich Breiten- und Leistungssport. Ich bin aber auch als Model, unter anderem für HEAD, Echtlieb und einige Partner mehr aktiv und in den sozialen Medien im Einsatz.

Das klingt nach jeder Menge Stress. Du sprichst das Thema »Social Media« an. Was fasziniert Dich hieran? Ich glaube, dass »Social Media« immer mehr an Bedeutung gewinnt. Daraus ergeben sich Möglichkeiten, die man vorher nur durch Beziehungen erreichen konnte. Außerdem ist es toll, so nah an jenen Menschen zu sein, die einen supporten. Ich liebe jeden meiner Follower und versuche auch alles zu beantworten – was bei einer Reichweite von bis zu 170.000 Personen mal mehr und mal weniger gelingt.

Blicken wir noch mal ein wenig zurück. Neun ITF-Einzel- und einen ITF-Doppeltitel konntest Du zu aktiven Zeiten auf Dein Konto packen. Welches waren für Dich die aufregendsten Turniereinsätze und Erfolge? Das 10.000-US-Dollar-Turnier in Kaarst: Es war mein erster internationaler Erfolg und der Startschuss meiner Karriere. Mein damaliger Coach Robin Abro und ich hatten – nach den ganzen Diskussionen um meine Person – unglaublich hart auf den Sieg hin gearbeitet. Den Pokal habe ich meinem damaligen Coach geschenkt, da wir beide mit dem Herzen auf dem Platz waren. Außerdem das 25.000-US-Dollar-Turnier in Darmstadt: Es war mein erster Sieg auf der nächsthöheren Ebene. Ich war damals mit einer Wild Card von Barbara Rittner ins Hauptfeld gelangt und konnte diese offensichtlich gut nutzen. Unter anderem mit einem Sieg über die Italienerin Camila Giorgi.

Gibt es ein Match, welches Du – aus welchen Gründen auch immer – gern noch einmal spielen möchtest? Ich würde gerne noch einmal meine Quali-Matches bei den Grand-Slam-Events wiederholen, da ich damals mit der Situation überfordert war. Außerdem würde ich gerne nochmal gegen diverse Spielerinnen spielen, die sich sehr unsportlich und diskriminierend mir gegenüber verhalten haben.

Hast Du früher als aufstrebende junge Spielerin einem Profi nachgeeifert? Und wen favorisierst Du heute beim Blick auf die aktuellen Spielerinnen und Spieler in der Weltspitze? Ich war und bin immer noch großer Fan von Serena Williams. Aber ganz besonders drücke ich jenen Spielerinnen aus meiner eigenen aktiven WTA-Zeit die Daumen, die es weit bis in die Top 100 geschafft haben.

Was macht Sarah Gronert, wenn sie irgendwann einmal das Racket an den berühmten Nagel hängt?! Oder kommt ein Job abseits des Tennissports für Dich nicht in Frage? Ich glaube, ich werde immer etwas im Tennisbereich machen. Vielleicht im Alter mehr abseits des Courts.

Ende Februar sieht man Dich bei den 26. POTTHOFF LADIES OPEN in Hamm, einem 5.000 Euro-Preisgeldturnier. Wie bereitest Du Dich darauf vor? Wie aktiv trainierst Du aktuell noch? Derzeit bereite ich mich intensiv auf die POTTHOFF LADIES OPEN und die Deutschen Meisterschaften der »Dreißiger« vor. Ich habe wie immer sehr hohe Erwartungen an mich, auch wenn es manchmal schwierig ist, Trainingseinheiten mit meinem Terminkalender zu koordinieren.

Deine Ambitionen in Hamm? Es ist unter anderem mit Lara Schmidt und Dinah Pfizenmaier starke Konkurrenz am Start… Ich freue mich immer über Herausforderungen.

Sarah, danke für das Interview und viel Erfolg auf allen Wegen, sportlich, beruflich und privat. Gerne! Wir sehen uns bei den POTTHOFF LADIES OPEN in Hamm.

Über Christoph Kellermann 1603 Artikel
Christoph Kellermann kennt den Tennissport aus dem Eff-Eff. Seit 1980 ist er am Ball. Zunächst als Spieler, dann als Coach. Seit vielen Jahren ist er als Mitglied des Verbandes Deutscher Sportjournalisten redaktionell aktiv. 1990 gründete er den heutigen »TWNR«, ehemals »Tennisredaktion.de«...